Morbus Crohn

Morbus Crohn - Wenn der Darm entzündet ist

Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung, die sich im gesamten Verdauungstrakt zeigen kann. Meistens ist jedoch der Dünndarm betroffen und die oberen Abschnitte des Dickdarms. Die Krankheit verläuft in Schüben, weshalb man bei der Therapie zwischen einer Akutphase und einer Remissionsphase unterscheiden muss.

Wie entsteht ein Morbus Crohn?

Etwa 400.000 Menschen in Deutschland leiden unter Morbus Crohn. Häufig manifestiert sich die Krankheit ab dem 30. Lebensjahr, 20% aller Patienten sind allerdings auch unter 20 Jahre alt. Weltweit nimmt die Häufigkeit der Erkrankung zu.

Bisher weiß man nicht genau, welche Auslöser zur Entstehung beitragen. Vermutet werden sowohl Umweltfaktoren als auch genetische Faktoren, virale oder bakterielle Infekte, Rauchen oder eine veränderte Darmflora. Bisher gilt die Krankheit als nicht heilbar und wird medikamentös mit Kortikoiden oder Immunsuppressiva behandelt, die die Aktivität des Immunsystems und damit die Entzündung im Körper unterdrücken.

Mit welchen Symptomen zeigt sich ein Morbus Crohn?

Zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome nicht eindeutig. Häufig beginnt sie mit Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, chronischen Durchfällen (länger als vier Wochen anhaltend) und / oder Gewichtsverlust. Auch ein allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber oder bei Kindern eine Wachstumsverzögerung können auftreten. Etwa die Hälfte der Betroffenen leiden unter Gelenkschmerzen in einzelnen oder mehreren Gelenken. Entzündungen an Augen und Haut können Begleiterscheinungen der Krankheit sein.

Durch die chronische Entzündung und die häufigen Durchfälle treten oft Mangelerscheinungen, z.B. an Protein, Folsäure, Vitamin A, D, B12, Eisen, Zink und Selen.

Wie verläuft die Krankheit und welche Langzeitfolgen treten auf?

Der Verlauf eines Morbus Crohn ist sehr unterschiedlich und lässt sich nicht genau vorhersagen. Bei etwa 25% der Patienten treten kontinuierliche Symptomen auf, etwa ein Drittel leidet unter chronischen Schüben, die sich mit weitgehend beschwerdefreien Phasen abwechseln.

Im längeren Verlauf kann es zu Komplikationen wie Darmeinengungen, Fisteln oder Abszessen kommen, vor allem dann, wenn die Therapievorschläge nicht konsequent umgesetzt werden. Häufig müssen Patienten dann operiert werden, um z.B. verengte Darmabschnitte zu öffnen oder auch Teile des Darm zu entfernen Ist der Dickdarm betroffen, geht man nach etwa 10 Jahren von einer erhöhten Tumorgefahr aus. Eine regelmäßige gastroenterologische Überwachung ist daher auf jeden Fall erforderlich.

Wie erfolgt die Diagnostik?

Es gibt nicht die eine aufschlussreiche Untersuchung auf Morbus Crohn Vielmehr setzt sich die Diagnostik aus zahlreichen Untersuchungen zusammen:

  • allgemeine körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchung
  • Stuhluntersuchung
  • Ultraschall des Bauchraumes
  • Magen- und Darmspiegelung mit Entnahme von Gewebeproben
  • Kernspinuntersuchung des Dünndarms

Welchen Stellenwert hat die Ernährungstherapie bei Morbus Crohn?

Eine eindeutige „Crohn-Diät“ gibt es nicht. Ziel einer Ernährungstherapie ist es, eine Ruhigstellung der entzündeten Darmabschnitte in der Akutphase durch die Auswahl geeigneter und verträglicher Lebensmittel. Welche das im Einzelfall sind, ist individuell verschieden. Außerdem wird auf die Wiederherstellung und Erhaltung eines guten Ernährungszustandes und damit eine Behandlung der Mangelernährung angestrebt.

In der Remissionsphase geht es darum, eine individuell verträgliche Kostform für den Alltag zu finden, die entzündungshemmend wirkt und eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sicherstellt.

Welche Empfehlungen gibt es in der Akutphase?

Eine Beruhigung des entzündeten Darm ist das oberste Therapieziel in der Akutphase. Die meisten Patienten vertragen in dieser Zeit nur sehr wenige Lebensmittel wie z.B. Zwieback und Knäckebrot, Reis-, Hirse- und Haferschmelzflocken, Tiefkühlgemüse (Möhren, Zucchini, Brokkoli), Haferdrinks, Tiefkühlfisch ohne Panade, Mandarinen aus der Dose, Bananen, Eier, Butter, Quark oder auch Babykost im Glas.

Wichtig ist, die Versorgung mit ausreichend Energie und Nährstoffen sicherzustellen. Bei anhaltenden Durchfällen kann sowohl eine Nahrungsergänzung als auch die Gabe einer Elektrolyt-Lösung sinnvoll sein (1 – 2 EL Traubenzucker und 3 g Kochsalz auf 1 Liter Wasser).

 

  • Entlasten Sie den Darm und essen Sie ballaststoffarme Kost, z.B. Weißbrot oder geschälten Reis.
  • Essen Sie etwa 6 – 7 kleine Mahlzeiten pro Tag
  • Kauen Sie gründlich und lassen Sie sich Zeit beim Essen.
  • Pürierte Suppen oder Haferschleim aus Wasser sind meistens gut verträglich.
  • Trinken Sie 2 – 3 Liter Wasser oder milde Kräutertees (Kamille, Fenchel, Pfefferminze).
  • Im akuten Schub werden häufig Milchzucker (Milchprodukte), Fruchtzucker (Obst, süße Getränke) und Sorbit (Zuckeraustauschstoff) nicht vertragen.
  • Bereiten Sie Fisch, Fleisch und Eier nur gekocht, gedünstet oder ohne Fettzugabe im Backofen zu.

Wie sieht die Dauerernährung in der Remssionsphase aus?

In der Remissionsphase gelten grundsätzlich die Empfehlungen für eine „Leichte Vollkost“ (siehe Tabelle). Da die Verträglichkeit einiger Lebensmittel sehr individuell ist, muss mit Hilfe eines Ernährungsprotokolls in der Therapie ein persönlicher Plan aufgestellt werden.

 

  • Essen Sie in Ruhe, nehmen Sie sich Zeit zum Essen und kauen Sie gründlich.
  • Schälen Sie Obst und Gemüse vor dem Verzehr, da Schalen und Häute häufig nicht gut verträglich sind.
  • Vermeiden Sie den Verzehr von Zucker und gesüßten Speisen. Zucker fördert Entzündungsprozesse.
  • Verzichten Sie auf Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit, Lactit oder Isomalt.
  • Meiden Sie Fertigprodukte und schränken Sie den Genuss von Kaffee ein.
  • Probiotische Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir unterstützen den Aufbau einer gesunden Darmflora.
  • Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, können dazu beitragen, die im Darm ablaufenden Entzündungsprozesse zu lindern. Dies sind vor allem Seefisch (Makrele, Lachs, Thunfisch, Hering), Rapsöl, Walnussöl und Leinöl.
  • Sofern keine Stenosen (Verengungen) im Darm vorliegen, können lösliche Ballaststoffe, z.B. aus Flohsamenschalen, die Verdauung unterstützen.

 

Empfehlungen für eine "leichte Vollkost"

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Erfahrungsgemäß schwer bekömmlich Alternativen
Getreide und Getreideprodukte
(Vollkorn-) Brot mit ganzen Körnern

Produkte aus Weizenmehl

fein gemahlene und geschrotete Vollkornprodukte (z.B. Grahambrot, Roggen- und Vollkorntoastbrot),

Backwaren aus Hafer, Dinkel, Hirse, Gerste, Quinoa, Amaranth, Reis, Nudeln

—> bei Stenosen keine Vollkornprodukte!

fette Backwaren (z.B. Sahne- und Cremetorten, Croissant)

 

in Maßen: Obstkuchen ohne Sahne,

Haferkekse, wenig gesüßte Backwaren

Kartoffeln
gebratene frittierte Kartoffelgerichte z.B. Pommes Frites, Bratkartoffeln, Kroketten, Kartoffelsalat mit Speck und Mayonnaise

 

ohne oder mit sehr wenig Fett zubereitete Kartoffelgerichte, z.B. Pellkartoffeln, Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, Folienkartoffeln
Gemüse
schwer verdauliche oder blähende Gemüse (z.B. Grün-, Rot-, Weiß- und Rosenkohl, Wirsing, Sauerkraut, Lauch, Zwiebeln, Pilze, Paprika, Oliven, Gurken- und Rettichsalat, getrocknete Hülsenfrüchte), Gemüsesalate, die mit Mayonnaise oder fetten Soßen zubereitet wurden

 

leicht verträgliches Gemüse, z.B. Auberginen, Karotten, Fenchel, junge Kohlrabi, Brokkoli- und Blumenkohlröschen, feine Bohnen und grüne Erbsen, Tomaten (ohne Haut oder püriert), Zucchini, grüner Salat (nicht bei Stenosen)
Obst
unreifes Obst, z.B. grüne Bananen reifes Obst
rohes Steinobst (z.B. Kirschen und Pflaumen),  Ananas, Feigen, Weintruaben, Johannisbeeren, Trockenobst, Avocados, Nüsse, Mandeln, Pistazien

 

leicht verträgliche Sorten (roh oder gegart), z.B. reife Bananen, Erdbeeren, Himbeeren

 

—> Äpfel, Birnen und Pfirsiche am besten geschält

Milch- und Milchprodukte
Vollmilch und (gesäuerte) Vollmilchprodukte, Sahne, Rahm

 

fettarme Milch und fettarme (gesäuerte) Milchprodukte (z.B. Joghurt mit 1,5% Fett)
pikante und sehr fetthaltige Käsesorten über 45% Fett i.Tr.), z.B. Gorgonzola, Roquefort, Schimmelkäse

 

milde Käsesorten bis 45% Fett i.Tr., z.B. Frisch-, Weich-, Schnittkäse
Eier
hart gekochte Eier weich gekochte Eier
mit viel Fett zubereitete Eierspeisen, z.B. Rührei mit Speck, Spiegelei, Mayonnaise

 

Omelette, Rührei ohne Speck
Fleisch und Wurst
fettes, geräuchertes, gepökeltes, scharf angebratenes Fleisch, mageres Fleisch, z.B. von Rind, Kalb, Geflügel (ohne Haut!), Lamm – gekocht, gegrillt, in Folie gegart oder geschmort
fette und geräucherte Wurstwaren, z.B. Speck, Pasteten magere Wurstsorten, z.B. Lachsschinken, gekochter Schinken ohne Fettrand, Putenbrust, Geflügelwurst, kalter Braten
Fisch und Fischwaren
fette und geräucherte Fischwaren, z.B. Aal, panierter Fisch

 

frische und tiefgekühlte Seefische,

nicht paniert, gegrillt oder gedünstet

nach Verträglichkeit:Geräuchertes wie Makrele oder Hering

Fischkonserven und -salate in Soßen oder Cremes

 

Fischerzeugnisse in eigenem Saft
Öle und Fette
reichliche Mengen an Streich- und Kochfett sowie Ölen kleine Mengen an Streich- und Kochfett sowie Ölen (Rapsöl, Walnussöl, Leinöl), Kokosfett
Getränke
kohlensäurehaltige, eisgekühlte und alkoholische Getränke Wasser mit wenig oder ohne Kohlensäure, ungesüßter Tee, stark verdünnte Fruchtsäfte, wenig Kaffee, Espresso, schwarzer Tee
Gewürze und Kräuter
größere Mengen Pfeffer, Salz, Curry, Paprikapulver, Senf, Meerettich, Zwiebel- und Knoblauchpulver, scharfe Gewürzmischungen frische und getrocknete Kräuter, milder Essig (z.B. Balsamico), Zitronensaft, mäßig Salz mit Jod und Flourid