Rheuma

Rheuma - eine häufige und schmerzhafte Erkrankung des Bewegungsapparates

Rund 20 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Beschwerden durch rheumatische Erkrankungen. Darunter sind auch etwas 13.000 Kinder und Jugendliche. Jährlich erkranken etwa 1.500 Kinder neu an Rheuma. Frauen sind doppelt so oft von Rheuma betroffen wie Männer. Leider vergeht in der Diagnostik meistens viel Zeit, bis eine rheumatische Erkrankung erkannt wird.

Was ist eigentlich Rheuma?

Der Begriff Rheuma ist ein Sammelbegriff für über 100 unterschiedliche degenerative Erkrankungen. Diese können sowohl entzündlicher als auch nicht entzündlicher Natur sein. Das verbindende Symptom aller dieser Erkrankungen sind chronische Schmerzen, die sowohl den Bewegungsapparat als auch das Nervensystem betreffen können.

 

Nichtentzündliche Erkrankungen:

  • Arthrose (etwa 8 Millionen Betroffene)
  • zur Behinderung führende Rückenschmerzen (etwa 6 Millionen)
  • Osteoporose (etwa 4,1 Millionen)
  • Fibromyalgie (etwa 1,5 Millionen)
  • juvenile idiopathische Arthritis (etwa 13.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren)

 

Degenerative Gelenkerkrankungen sind häufig. Eine Arthrose z.B. zeigt sich in Schäden am Gelenkknorpel, der meistens durch Über- oder Fehlbelastung hervorgerufen wird. Damit einher gehen nicht nur starke Schmerzen, sondern auch erhebliche Bewegungseinschränkungen.

Osteoporose und Gicht werden durch Stoffwechselerkrankungen hervorgerufen. Hier bekommt die Ernährungstherapie einen besonderen Stellenwert und kann zusätzlich zur medikamentösen Therapie regulierend eingreifen.

Auch chronische Rückenschmerzen gehören zu den degenerativen Erkrankungen, ebenso wie die Fibromyalgie, ein komplexes Schmerzsyndrom, das von großer Müdigkeit, Erschöpfung und multiplen Schmerzen begleitet wird.

 

Entzündliche Erkrankungen:

  • Gicht (etwa 950.000)
  • Rheumatoide Arthritis (etwa 550.000)
  • Axiale Spondyloarthritiden (wie Morbus Bechterew) (etwa 550.000)
  • Kollagenosen und Vaskulitiden (etwa 210.000)
  • Psoriasisarthritis (etwa 140.000)

 

Bezeichnend für die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist eine Störung des Immunsystems, es handelt sich also um eine Autoimmunerkrankung. Vermutlich beruht diese auf einer genetischen Vorbelastung. Die Krankheit verläuft chronisch und meistens schubweise. Sie kann sowohl den Knochenapparat als auch innere Organe, Nerven und Haut betreffen. Wird sie nicht behandelt, so werden langfristig Gelenke zerstört oder die Wirbelsäule versteift. Sind innere Organe betroffen, so kann deren Degeneration auch tödlich verlaufen.

Welche Folgen hat Rheuma im Alltag?

Rheumatische Erkrankungen führen meistens zu starken Einschränkungen im Alltag. Zwar sind die Therapiemöglichkeiten mittlerweile häufig erfolgversprechend, bedeuten für die Betroffenen aber auch eine lebenslange Medikamenteneinnahme. Viele Patienten leiden trotz Medikation dauerhaft unter Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Müdigkeit. Dadurch wird die Teilnahme am gesellschaftlichen oder Berufsleben häufig erschwert.

Gibt es eine ideale Ernährung bei Rheuma?

Genau so wenig wie es „das Rheuma“ gibt, so gibt es auch nicht „die Rheuma-Diät“. Studien und Erfahrungen aus der Praxis haben jedoch gezeigt, dass es möglich ist, bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen durch ein geeignete Ernährung die Entzündungsprozesse zu reduzieren und eventuell sogar Medikamente einzusparen.

Außerdem sollte Übergewicht abgebaut werden, um die betroffenen Gelenke zu entlasten.

Bei der Behandlung einer Osteoporose liegt der Schwerpunkt auf einer ausreichenden Zufuhr an Calzium, bei Gicht auf der Vermeidung von gichtauslösenden Nahrungsbestandteilen.

Für alle Patienten ist eine ausgewogene, vollwertige Ernährung mit reichlich frischen Lebensmitteln empfehlenswert, um den Körper gut mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen und bei der Regeneration zu unterstützen.

Was esse ich bei entzündlichem Rheuma?

Im Fokus einer Ernährung bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen stehen die Fette und deren Qualität.

Arachidonsäure ist eine Fettsäure, die nur in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Sie kann Entzündungen auslösen bzw. verstärken. Die Aufnahme solcher Lebensmittel sollte daher bei allen rheumatischen Erkrankungen oder Krankheiten mit entzündlichen Prozessen stark begrenzt werden.Die Zufuhr von Arachidonsäure sollte weniger als 50 mg pro Tag betragen.

 

Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) gehören zu den Omega-3-Fettsäuren, die entzündlichen Prozessen im Körper entgegen wirken. Sie findet sich vor allem in fettreichen Seefischen wie Lachs, Makrele, Hering, Sardine, Heilbutt oder Thunfisch).

Die Zufuhr an EPA sollte etwa 1 g pro Tag betragen.

𝛼-Linolensäure (ALA) gehört ebenfalls zu den Omega-3-Fettsäuren und kommt in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Aus ihr kann der Körper selbst die gut verfügbare Eicosapentaensäure bilden. Sie findet sich vor allem in Rapsöl, Walnuss- und Leinöl.

Tägliche Zufuhr: mind. 4 g pro Tag

Ergänzen sollten Sie die Auswahl der richtigen Fette durch einen reichlichen Verzehr von Gemüse und Obst, um ausreichend Antioxidantien, besonders Vitamin C und ß-Carotin, aufzunehmen. In den Wintermonaten sollten Sie außerdem den Vitamin-D-Status vom Hausarzt überprüfen lassen und evtl. Vitamin D zusätzlich einnehmen.

 

Das Verhältnis von Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren

Das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren sollte nicht mehr als 4:1 bis 6:1 betragen. Besser ist weniger, also ein Verhältnis von 2:1 bis 3:1.

Folgende Tabelle zeigt das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren (ALA) von einigen pflanzlichen Speiseölen:

 

Pflanzenöl Omega-6 : Omega-3
Leinsamenöl (Leinöl) 1:3 bis 1:6
Rapsöl 2:1
Hanföl 3:1
Walnuss-, Weizenkeim und Sojaöl 6:1
Olivenöl 8:1
Maiskeimöl 50:1
Sonnenblumenöl 120:1
Distelöl 150:1

 

Für Leindotteröl, Chiaöl, Perillaöl liegen noch keine Daten vor, doch die Omega-3-Fettsäuren
überwiegen im Verhältnis zu Omega 6. Arachidonsäure in Lebensmitteln.

Empfehlenswert sind hier also vor allem Rapsöl (zum Braten und Dünsten), Leinöl, Hanföl, Walnussöl, Sojaöl und Weizenkeimöl (für Salate oder als Zugabe im Joghurt oder Quark). Das klassische Sonnenblumen- oder Maiskeimöl sollten Sie lieber aus Ihrer Küche verbannen, denn es kann Entzündungen eher fördern als hemmen.

 

Gehalt an Arachidonsäure in Lebensmitteln

Lebensmittel Arachidonsäure-Gehalt (mg)

pro Portion

Portionsgröße [g] Arachidonsäure-Gehalt (mg)

pro 100 g

Hühnerragout 1600 400 400
Suppenhuhn 1095 150 730
Brathähnchen 851 370 230
Croissant 749 70 1070
Schweineleber 650 125 520
Kalbskotelett 480 150 320
Schweinegulasch 345 150 230
Kalbfleisch 330 150 220
Chickenburger 270 150 180
Schweineschmalz 255 15 1700
Aal 225 150 150
Labskaus 175 350 50
Schweinshaxe 150 300 50
Omelett 84 140 60
Gyros 62,5 125 50
Rindfleisch 60 150 40
Bauernbratwurst 57 30 190
Eigelb 38 19 200
Ei 36 60 60
Landjäger 30 30 100
Milch, 1,5% Fett 15 150 10
Sülze 12 30 40

 

 

Was kann ich bei Gicht essen?

Bei Gicht sollten purinreiche Lebensmittel vermieden werden, die im Körper zu verstärkter Bildung von Harnsäure führen. Allgemein gelten folgende Regeln:

  1. Essen Sie wenige oder gar keine tierischen Produkte
  2. Achten Sie auf eine fettarme Zubereitung und wählen Sie hochwertige Pflanzenöle wie Rapsöl und Leinöl.
  3. Essen Sie wenig Zucker und achten Sie vor allem auf eine geringe Aufnahme an Fruchtzucker (süßes Obst, gesüßte Getränke, Süßwaren).
  4. Essen Sie täglich (zuckerarmes) Obst und Gemüse
  5. Trinken Sie viel, damit die Niere bei der Entgiftung unterstützt wird (2 – 3 Liter kalorienfreie Getränke wie Wasser oder ungesüßten Tee).
  6. Trinken Sie wenig oder gar keinen Alkohol, denn Alkohol hemmt die Ausscheidung von Harnsäure über die Niere).
  7. Achten Sie auf ein normales Körpergewicht.

Brauche ich eine Nahrungsergänzung?

Auf dem Markt gibt es mittlerweile eine große Auswahl an Nahrungsergänzungen, die anti-entzündlich wirken sollen wie Resveratrol (aus Weintrauben), Bioflavonoide (aus Obst und Gemüse), Catechine (aus grünem Tee), Senföle (aus Senf oder Kohl) oder Polyphenole (aus Kaffee). Für diese Wirkstoffe gibt es zwar interessante Untersuchungen, aber keinen eindeutigen Wirksamkeitsbeweis. Zudem können diese Stoffe alle über eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse aufgenommen werden und wirken in diesem natürlichen Verbund wahrscheinlich besser als isoliert in einer Kapsel.

Eine Ausnahme stellen Omega-3-haltige Fischölkapseln dar. Wer keinen Fisch mag oder zu wenig davon isst, kann mit einer Nahrungsergänzung hier tatsächlich eine entzündungshemmende Wirkung unterstützen. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ernährungstherapeuten, ob und in welcher Dosis eine solche Ergänzung für Sie notwendig ist.

Osteoporose-Patienten bekommen außerdem eine Nahrungsergänzung in Form eines Calzium-Vitamin-D-Präparates, das vom Arzt verschrieben wird.

Welche unterstützende Therapie gibt es bei Rheuma sonst noch?

Eine wichtige Säule in der Therapie von rheumatischen Erkrankungen ist die Bewegung! Sie hilft nicht nur bei der Regulierung des Körpergewichtes, sondern kann dazu beitragen, die Gelenke längere Zeit beweglich zu erhalten. Für Rheumapatienten gibt es daher auch spezielle Bewegungsprogramme.

Stress und Rauchen können im Körper entzündliche Prozesse auslösen. Eine entsprechende Stressbewältigungs-Therapie wie Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung oder regelmäßiger Sport können dem entgegenwirken. Ein Programm zur Raucherentwöhnung macht ebenfalls Sinn.