Binge-Eating-Störung: Kriterien und Ursachen

Eine Binge-Eating-Störung ist eine Essstörung, die durch Essanfälle geprägt ist. Die psychische Erkrankung wird an mehreren Kriterien festgemacht, die sie von anderen Essstörungen unterscheidet. Binge-Eating kann auf vielfältige Ursachen zurückgehen.

Autor:in: Lisa Marie Hudezek

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Kategorie: Binge Eating, Fehlernährung & Essstörungen

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Eine junge Frau sitzt mit Bauchschmerzen auf dem Sofa.

Was ist eine Binge-Eating-Störung?

Eine Binge-Eating-Störung ist eine psychische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden Essanfällen kommt. Bei diesen Essanfällen werden innerhalb kürzester Zeit überdurchschnittlich große Nahrungsmengen zugeführt. Als Vergleich dient die Nahrungsmenge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren Zeitraum unter vergleichbaren Bedingungen essen würden.

Zudem spüren Betroffene ein Gefühl des Kontrollverlustes und essen häufig unabhängig von einem Hungergefühl. Kompensatorische Maßnahmen wie z.B. das Herbeiführen von Erbrechen werden allerdings nicht unternommen. Aus diesem Grund liegt hier häufig zudem ein Übergewicht vor.

Eine ältere Frau blickt nachdenklich as dem Fenster und hält eine Tasse in der rechten Hand.

Wer erkrankt an einer Binge-Eating-Störung?

Durchschnittlich sind derzeit etwa 1,6 % der Frauen und etwa 0,8 % der Männer erkrankt. Im Vergleich zu anderen Essstörungen ist der Männeranteil hier jedoch vergleichsweise hoch. Auffällig ist, dass Binge-Eating häufiger bei Menschen auftritt, die wegen ihres Übergewichts bereits in Behandlung waren.

Kinder zeigen im Allgemeinen ein Risiko von 1,6 % im Laufe ihres Lebens an einer Binge-Eating-Störung zu erkranken. Der durchschnittliche Störungsbeginn liegt hier bei ca. 12 Jahren. Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungs.

Junge Frau steht in der Küche vor einem Schneidebrett und zupft Basilikum. Vor ihr liegt weiteres Gemüse.

Was sind die Ursachen einer Binge-Eating-Störung?

Man geht davon aus, dass die Ursachen einer Binge-Eating-Störung multifaktoriell bedingt sind. Studien weisen darauf hin, dass eine mögliche genetische Prädisposition eine Rolle spielen könnte. Ebenso haben psychosoziale Faktoren wie einschneidende Lebensereignisse, persönliche Einstellungen und Charakterzüge sowie das Essverhalten und die Einstellung zum eigenen Körper Einfluss auf das Entstehen einer Binge-Eating-Störung. Auch Übergewicht im Kindesalter scheint das Risiko zu erhöhen.

Nach welchen Kriterien wird eine Binge-Eating-Störung festgestellt?

Im oft gebrauchten ICD 10 (Internationales Klassifizierungssystem) wird die Binge-Eating-Störung nicht explizit aufgeführt, wohl aber im DSM 5. Das DSM 5 (Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen) stellt das gängige Klassifikationssystem für psychische Erkrankungen in den USA dar.

Für eine gesicherte Diagnose einer Binge-Eating-Störung müssen laut DSM 5 folgende Kriterien erfüllt sein.

  1. Wiederholte Episoden von Essanfällen. Dabei ist ein Essanfall durch die folgenden Merkmale gekennzeichnet:
  • Verzehr einer Nahrungsmenge in einem bestimmten Zeitraum (z.B. innerhalb eines Zeitraums von zwei Stunden), wobei diese Nahrungsmenge erheblich größer ist als die Menge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren Zeitraum unter vergleichbaren Bedingungen essen würden.
  • Das Gefühl, während der Episode die Kontrolle über das Essverhalten zu verlieren (Betroffene haben z.B. das Gefühl, nicht mit dem Essen aufhören zu können und/oder keine Kontrolle über Art und Menge der Nahrung zu haben).
  1. Die Essanfälle treten mit mindestens drei der folgenden Symptome auf:
  • Hastiges Essen („Schlingen“)
  • Essen bis zu starkem Völlegefühl
  • Essen großer Nahrungsmengen ohne körperlichen Hunger
  • Alleinessen (aus Scham)
  • Nach dem Essanfall: Ekel über sich selbst, Schuldgefühle und/oder Depression.
  1. Es besteht ein deutlicher Leidensdruck wegen der Essanfälle.
  2. Die Essanfälle treten im Durchschnitt mindestens einmal pro Woche über einen Zeitraum von drei Monaten auf.
  3. Die Essanfälle treten nicht gemeinsam mit wiederholten unangemessenen kompensatorischen Maßnahmen wie bei der Bulimia Nervosa und nicht ausschließlich im Verlauf einer Bulimia Nervosa oder Anorexia Nervosa auf.

Weitere Anzeichen für eine Binge-Eating-Störung

Neben den oben bereits erwähnten Symptomen bestehen häufig folgende Probleme:

  • Negatives Körperbild
  • Restriktives Essverhalten
  • Selbstwertprobleme
  • Interpersonelle Probleme
  • Dysfunktionale Emotionsregulation

Umgang mit Binge-Eating: Leben und genießen ohne Binge-Eating-Störung!

Die Rückkehr zu einem gesunden Essverhalten und einem normalen Gewicht ist möglich. Eine individuelle Ernährungsberatung als Bestandteil einer multimodalen Therapie kann Sie auf Ihrem Weg zur Genesung entscheidend voranbringen.

Quellen:

Wissen: Ratgeberbeiträge von Lisa Marie Hudezek

  • Was tun bei einer Binge-Eating-Störung?

    Eine Binge-Eating-Störung sollte durch eine multimodale Therapie behandelt werden. Eine Psychotherapie ist unumgänglich, um das emotionale Essen aufzulösen. Weitere Therapieformen wie die Ernährungstherapie können ein normales Essverhalten sowie einen Gewichtsverlust unterstützen.