Vegetarische Ernährung – Ein Überblick
Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine vegetarische Ernährungsweise und sehen in dieser eine bewusste Alternative zu herkömmlichen Ernährungsformen – nicht zuletzt aufgrund wachsender Bedenken gegenüber tierischen Produkten, die unter anderem durch Lebensmittelskandale wie BSE, Schweinepest oder Vogelgrippe verstärkt wurden. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Risiko für sogenannte Zivilisationskrankheiten durch eine ausgewogene vegetarische Ernährung gesenkt werden kann.

Was bedeutet vegetarisch?
Vegetarisch zu essen bedeutet, auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Je nach Ausprägung werden jedoch andere tierische Erzeugnisse wie Milch, Eier oder Honig in den Speiseplan aufgenommen. Die Beweggründe für eine vegetarische Lebensweise sind vielseitig: ethische, gesundheitliche oder ökologische Überlegungen spielen eine wichtige Rolle.
Historisch reicht die Idee des Vegetarismus bis in die Antike zurück. Der griechische Philosoph Pythagoras (ca. 570–510 v. Chr.) war einer der ersten bekannten Vertreter einer fleischlosen Ernährung aus ethischen Gründen. Auch in religiösen Traditionen wie dem Hinduismus und Buddhismus hat die vegetarische Lebensweise eine lange Geschichte.
Mehr als nur Ernährung: Vegetarismus als Lebensstil
In vielen Fällen geht es beim Vegetarismus nicht nur um die Auswahl von Lebensmitteln, sondern um ein ganzheitliches Lebenskonzept. Aspekte wie Tierschutz, Umweltbewusstsein, körperliches und seelisches Wohlbefinden, Qualität von Nahrungsmitteln sowie der bewusste Umgang mit Alkohol und Nikotin können dabei eine Rolle spielen.
In Deutschland ernähren sich aktuell rund 8,1 Millionen Menschen vegetarisch. Etwa 1,13 Millionen verzichten komplett auf tierische Produkte und leben vegan. Der Fleischkonsum ist in den letzten Jahren ebenfalls gesunken – von 60,9 kg pro Jahr (2018) auf 51,6 kg (2023).
Früher wurde vegetarische Ernährung teils als riskant angesehen, heute zeigen zahlreiche Studien, dass sie sogar helfen kann, chronischen Erkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose, Gicht oder bestimmten Krebsarten (z. B. Darmkrebs) vorzubeugen.

Formen des Vegetarismus
- Ovo-Lacto-Vegetarier:innen: Konsumieren Milchprodukte und Eier, verzichten aber auf Fisch und Fleisch.
- Lacto-Vegetarier:innen: Verzehren Milchprodukte, nicht aber Eier, Fleisch oder Fisch.
- Ovo-Vegetarier:innen: Nehmen Eier zu sich, meiden aber Milchprodukte, Fleisch und Fisch.
- Veganer:innen: Meiden alle Produkte tierischen Ursprungs – auch von Milch, Eiern, Honig und Gelatine.
Viele vegan lebende Menschen lehnen zudem Konsumgüter aus tierischen Materialien wie Leder, Wolle, Seide oder Daunen ab.
Nährstoffversorgung bei vegetarischer Ernährung
Grundsätzlich kann eine vegetarische Ernährungsform alle lebensnotwendigen Nährstoffe bereitstellen – vorausgesetzt, die Lebensmittelauswahl erfolgt bewusst und ausgewogen.
Vegetarisch lebende Menschen sind oft besser mit Ballaststoffen, sekundären Pflanzenstoffen, Folsäure, Vitamin B6, Vitamin C und Magnesium versorgt als Menschen mit gemischter Kost, da ihre Zufuhr an pflanzlichen Lebensmitteln in der Regel höher ist. Zudem enthält eine pflanzenbasierte Ernährung weniger gesättigte Fettsäuren, Cholesterin und Schadstoffe.
Nährstoffe, die besondere Aufmerksamkeit verdienen:
- Eiweiß: Wichtig für Zellaufbau und Muskelerhalt. Gute Quellen: Hülsenfrüchte, Sojaprodukte, Nüsse, Samen, Vollkorngetreide, Milchprodukte und Eier.
- Eisen: Unerlässlich für den Sauerstofftransport im Blut. Pflanzliches Eisen ist weniger gut bioverfügbar. Enthalten in Linsen, Vollkornprodukten, grünem Blattgemüse, Samen und Trockenfrüchten.
- Vitamin B12: Essenziell für Nerven und Blutbildung. Kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Angereicherte Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel sind notwendig.
- Omega-3-Fettsäuren: Fördern Herz- und Hirngesundheit. Gute pflanzliche Quellen: Leinsamen, Walnüsse, Chiasamen und Algenöle.
- Calcium: Unterstützt Knochen und Zähne. Zu finden in Milchprodukten, Brokkoli, Grünkohl, Mandeln, Sesam, angereicherten Pflanzendrinks und Mineralwasser.
- Jod: Wichtig für die Schilddrüse. Quellen: jodiertes Speisesalz, Algen.
- Zink: Relevant für Immunsystem und Wundheilung. Enthalten in Nüssen, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Kernen.
- Vitamin D: Wird größtenteils durch Sonnenlicht gebildet. In der Ernährung selten vorhanden, häufig sind Nahrungsergänzungsmittel notwendig.
Mahlzeitengestaltung im vegetarischen Alltag
Die Basis jeder vegetarischen Mahlzeit bildet eine ausreichende Menge an Gemüse (etwa 400 g täglich) und Obst (mindestens 250 g pro Tag). Für die Eiweißversorgung sorgen Hülsenfrüchte sowie Fleischalternativen wie Tofu, Seitan oder Lupinenprodukte. Diese sollten regelmäßig verzehrt werden.
Vollkorngetreide, Flocken und Kartoffeln liefern komplexe Kohlenhydrate und ergänzen eine ausgewogene vegetarische Kost.

Fazit zur vegetarischen Ernährung
Die vegetarische Ernährung lässt sich gut in den Alltag integrieren und bietet eine gesundheitsförderliche sowie umweltschonende Alternative zur omnivoren Ernährung. Wer neu einsteigt, kann durch eine individuelle Ernährungsberatung von Anfang an Mangelrisiken vermeiden und den Umstieg optimal gestalten
Quellen:
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