Übergewicht & Adipositas

Definition - Vom Übergewicht zur Adipositas

In Deutschland geht man davon aus, dass mittlerweile etwa zwei Drittel der Männer und rund die Hälfte der Frauen übergewichtig sind. Ein Viertel aller Erwachsenen ist sogar stark übergewichtig. Man bezeichnet dieses Übergewicht dann als adipös, bzw. spricht von der Diagnose Adipositas.

Die medizinische Definition von Übergewicht und Adipositas beruht auf der Bestimmung des Körpermassen-Indexes / Body Mass Indexes (BMI), der inzwischen ein gängiger Maßstab für die Beurteilung der Körperzusammensetzung geworden ist und ältere Formeln wie den Broca-Index (Körpergröße in cm – 100 = Normalgewicht) abgelöst hat.

Der BMI berechnet sich folgendermaßen:

Beispiel: Eine Frau wiegt 89 kg und ist 1,69 m groß. Demnach ergibt sich Ihr BMI zu:

Anhand folgender Tabelle kann man nun die Klassifizierung des Übergewichts vornehmen. Diese Einteilung beruht auf einer Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Im oben genannten Beispiel steht also der BMI von 31,16 kg/m²  für eine Adipositas Grad I. Das Risiko für Begleiterkrankungen durch das höhere Gewicht ist bereits erhöht.

Risiken - Wann ist Übergewicht ungesund?

Ein erhöhtes Körpergewicht ist oftmals verbunden mit einem höheren Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Durch ständige Überernährung werden Zellen und Organe zunehmend insulinresistent, das bedeutet, dass die Zellen die energieliefernde Glucose nicht mehr aufnehmen können. Es kommt zu einer Verfettung der Organe und zum behandlungsbedürftigen Diabetes. Die größere Masse an Fettgewebe, vor allem im Bauchbereich, führt zu verstärkten Entzündungsreaktionen, die z.B. die Gefäße verengen und den Blutdruck ansteigen lassen können.

Daher wird als weiteres Kriterium zur Einschätzung eines Übergewichts neben dem BMI auch der Taillenumfang herangezogen.

Frauen mit einem Taillenumfang von ≥ 88 cm und Männer mit einem Taillenumfang von ≥ 102 cm sind dabei besonders gefährdet, weitere Erkrankungen zu entwickeln.

Zur individuellen Beurteilung eines erhöhten Gesundheitsrisikos durch Übergewicht werden aber auch aktuelle Laborwerte sowie eine Abfrage der Lebensumstände berücksichtigt.

Diese Kriterien tragen zu einem höheren Gesundheitsrisiko durch Übergewicht / Adipositas bei:

  • Rauchen
  • mangelnde Bewegung
  • erhöhter Blutdruck (≥ 130 mmHg / ≥ 85 mmHg)
  • erhöhte Nüchtern-Glucose (Blutzucker – ≥ 100 mg/dl)
  • erhöhte Triglyzeride (≥ 150 mg/dl)
  • niedriges HDL-Chloesterin (Männer: ≤ 40 mg/dl, Frauen ≤ 50 mg/dl)

Diese Risikofaktoren werden auch unter dem Begriff „Metabolisches Syndrom“zusammengefasst.

Wird einer der erhöhten Faktoren bereits medikamentös behandelt, z.B. mit blutdrucksenkenden Mitteln, cholesterinsenkenden Medikamenten oder Medikamenten zur Blutzuckereinstellung, so wird er übrigens trotzdem weiterhin als Risikofaktor. gewertet

Dabei gilt natürlich: Je mehr dieser Kriterien zutreffen, desto höher ist das Gesamtrisiko einzuschätzen, und desto stärker ist ein Handlungsbedarf gegeben.

Therapie von Übergewicht - Was kann man tun?

Erstes Ziel in der Therapie von Übergewicht, Adipositas und deren Begleiterkrankungen ist natürlich die Gewichtsreduktion. Hierzu gibt es verschiedene Ansätze, die wir Ihnen im Folgenden vorstellen wollen. So individuell wir Menschen sind, so individuell sollten auch die Therapieansätze sein. Ein erfahrener Therapeut wird Ihnen sagen können, was für Sie die beste Strategie ist, und deren Umsetzung in den Alltag mit Ihnen im Detail entwickeln und besprechen.

Anamnese und Ernährungsprotokoll

Zu Beginn jeder Adipositas-Therapie steht eine ausführliche Anamnese, in der Ihre Vorgeschichte, Ihre Lebensumstände, bestehende Risikofaktoren und Ihr persönliches Essprotokoll im Mittelpunkt stehen.

Das Schreiben eines Ernährungsprotokolls über z.B. 5 oder 7 Tage dient nicht nur dem Berater /Therapeuten als Arbeitsgrundlage für die weitere Beratung, sondern kann in einem ersten Schritt Ihnen selbst ungesunde Verhaltensweisen bewusst machen. Dabei ist es wichtig, dass Sie ehrlich zu sich selbst sind und tatsächlich alles aufschreiben, was durch Ihren Mund wandert. Nur so kann eine gute Basis für die Beratung geschaffen werden.

Eine Vorlage für ein Ernährungsprotokoll mit Hinweisen zum Ausfüllen finden Sie hier:  ➙ Ernährungstagebuch-ET

Energiebilanz

Nach wie vor funktioniert Abnehmen nach dem Grundsatz: Wird weniger Energie aufgenommen als verbraucht, so kann der Körper auf seine Energiereserven zurückgreifen und diese abbauen. Um ein Kilogramm Körperfett abzubauen, müssen etwa 7000 kcal eingespart werden. Verständlich, dass ein solcher Fettabbau auf gesunde Art und Weise nicht innerhalb weniger Tage vonstatten gehen kann, wie so manche Crash-Diät gerne mal verspricht.

Eine realistische und gesunde Gewichtsabnahme liegt bei etwa 0,5 – 1 kg pro Woche. Die Kunst ist es, diese Gewichtsabnahme nicht nur zu erreichen, sondern auch langfristig zu halten.

Je nach Ausgangsgewicht kann es anfangs nach einer Ernährungsumstellung auch zu einer höheren Gewichtsabnahme kommen. Der größte Teil dieser Gewichtsabnahme liegt dann allerdings in einem Abbau von Wasser aus dem Gewebe.

Veränderungen in der Lebensmittelauswahl

Je nachdem, welche Begleiterkrankungen bereits vorliegen, gibt es mehrere Strategien zur Veränderung der Essgewohnheiten. Wurde z.B. bereits eine Insulinresistenz festgestellt, so wird der Fokus auf einer Einschränkung der kohlenhydratreichen Lebensmittel wie Brot, Nudeln, Kartoffeln, Reis und Backwaren liegen. Dafür erhöht man die Menge an Gemüse und eiweißreichen Lebensmitteln, um trotz geringerer Kalorienzufuhr eine gute Sättigung zu erzielen.

 

Weitere Möglichkeiten der Veränderung sind:

  • mehr ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte
  • häufiger Verzehr von Gemüse und Salat (mindestens 3 Portionen täglich)
  • mäßiger Verzehr von Obst (maximal 2 Portionen pro Tag)
  • Reduktion des Fettgehaltes in Milchprodukten, Fleisch- und Wurstwaren
  • sparsamer Fettverbrauch bei der Zubereitung
  • Einschränkung von Fertiggerichten und Fast Food
  • Einschränkung des Verzehrs von Lebensmitteln mit isoliertem Zucker, z.B. Backwaren, Süßigkeiten, süßen Getränken

Veränderungen im Essverhalten

Häufiges Snacken, d.h. ständiges Essen zwischendurch gilt heute als wichtiger Faktor für die Entstehung von Übergewicht. Wer ständig isst, hat einen immer erhöhten Insulinspiegel, der verhindert, dass im Körper ein Fettabbau stattfinden kann. Daher wird empfohlen – sofern dies umsetzbar ist – zwischen den Mahlzeiten eine Essenspause von mindestens 4 – 5 Stunden einzuhalten.

Weitere Faktoren, die das Essverhalten und eine übermäßige Energieaufnahme begünstigen, sind:

  • Zu schnelles und hastiges Essen  (Sättigung wird nicht mehr wahrgenommen)
  • Ablenkung beim Essen durch Fernsehen, Zeitung, Internet
  • Nebenbei essen (unterwegs, am Arbeitsplatz)

Achtsamkeits- und Genussübungen haben sich hier in der Praxis bewährt, denn Sie verhelfen Ihnen zu einer besseren Wahrnehmung von Hunger und Sättigung und zu einem intensiveren Geschmackserlebnis mit allen Sinnen. Auch emotionales Essen, z.B. bei Frust, Langeweile kann mit verschiedenen Übungen bewusst gemacht und therapiert werden.

Veränderungen im Lebensstil

Bewegung und Ernährung sind gute Verbündete in der Therapie von Übergewicht und Adipositas. Dabei muss es nicht immer direkt ein schweißtreibender Kraftsport sein. Schon verstärkte Alltagsbewegungen (Treppensteigen, zu Fuß gehen, Gartenarbeit, zügiges Spazierengehen) kräftigen die Muskulatur, bringen den Kreislauf in Schwung und verhelfen so zu einer besseren Energiebilanz. Trainierte Muskeln verbrauchen nun mal mehr Energie als untrainierte. Es ist daher sinnvoll, sich mit der Zeit ein kleines Fitness-Programm zur Gewohnheit zu machen (z.B. 3 x wöchentlich jeweils 30 Minuten).

 

Was bringen Crash-Diäten?

In Magazinen und Fernsehsendungen werden alljährlich neue bzw. altbekannte Diäten angepriesen, die einen schnellen Abnehmerfolg in kurzer Zeit versprechen. Davon können wir als erfahrene Ernährungsberater und -therapeuten nur immer wieder abraten.

Wer seine Energieaufnahme durch eine solche einseitige Diät stark drosselt, riskiert nicht nur einen Mangel an Nährstoffen, sondern auch den allseits gefürchteten Jojo-Effekt. Der Körper schaltet in den Energiespar-Modus und holt sich nach Absetzen der Diät seine verlorenen Kilos meistens gleich doppelt wieder zurück.

Bei starkem Übergewicht (ab BMI 30) kann der Einsatz von Formula-Diäten  (Mahlzeiten-Ersatz) sinnvoll sein. Diese sollten allerdings nur im Rahmen eines Ernährungsplanes und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Fazit

Eine vernünftige und dauerhafte Gewichtsabnahme kann nur durch eine ebenfalls dauerhafte Änderung der Ess- und Lebensgewohnheiten stattfinden. Ihr Therapeut / Berater wird Sie dahingehend unterstützen, die für Sie richtige Strategie zu finden und langfristig am Ball zu bleiben.