Bedarfsgerechte Ernährung bei Morbus Crohn

Eine individuell angepasste Ernährung bei Morbus Crohn ermöglicht es, den Darm zu schonen und zugleich eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen. Daher ist es wichtig zu wissen, was Sie während eines Schubs von Morbus Crohn essen sollten und welche Lebensmittel auch in der Remissionsphase mehr oder weniger empfehlenswert sind.

Autor:in: Nicole Hoenig (Diplom-Ökotrophologin, VDOe-zertifiziert)

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Junge Frau steht in der Küche vor einem Schneidebrett und zupft Basilikum. Vor ihr liegt weiteres Gemüse.

Welchen Stellenwert hat die Ernährung bei Morbus Crohn?

Eine eindeutige „Morbus Crohn-Diät“ gibt es nicht. Ziel der Ernährung bei Morbus Crohn ist es, eine Ruhigstellung der entzündeten Darmabschnitte in der Akutphase durch die Auswahl geeigneter und verträglicher Lebensmittel. Welche das im Einzelfall sind, ist individuell verschieden. Außerdem wird auf die Wiederherstellung und Erhaltung eines guten Ernährungszustandes und damit eine Behandlung der Mangelernährung angestrebt.

In der Remissionsphase geht es darum, eine individuell verträgliche Kostform für den Alltag zu finden, die entzündungshemmend wirkt und eine ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen sicherstellt.

Empfehlungen für die Ernährung bei einem Morbus Crohn-Schub

Eine Beruhigung des entzündeten Darms ist das oberste Therapieziel in der Akutphase. Die meisten Patient:innen vertragen in dieser Zeit nur sehr wenige Lebensmittel wie z.B. Zwieback und Knäckebrot, Reis-, Hirse- und Haferschmelzflocken, Tiefkühlgemüse (Möhren, Zucchini, Brokkoli), Haferdrinks, Tiefkühlfisch ohne Panade, Mandarinen aus der Dose, Bananen, Eier, Butter, Quark oder auch Babykost im Glas.

Wichtig bei der Ernährung während eines Schubs von Morbus Crohn ist es, die Versorgung mit ausreichend Energie und Nährstoffen sicherzustellen. Bei anhaltenden Durchfällen kann sowohl eine Nahrungsergänzung als auch die Gabe einer Elektrolyt-Lösung sinnvoll sein (1 – 2 EL Traubenzucker und 3 g Kochsalz auf 1 Liter Wasser).

Was Sie bei einem Schub von Morbus Crohn essen sollten

  • Entlasten Sie den Darm und essen Sie ballaststoffarme Kost, z.B. Weißbrot oder geschälten Reis.
  • Essen Sie etwa 6 – 7 kleine Mahlzeiten pro Tag.
  • Kauen Sie gründlich und lassen Sie sich Zeit beim Essen.
  • Pürierte Suppen oder Haferschleim aus Wasser sind meistens gut verträglich.
  • Trinken Sie 2 – 3 Liter Wasser oder milde Kräutertees (Kamille, Fenchel, Pfefferminze).
  • Im akuten Schub werden häufig Milchzucker (Milchprodukte), Fruchtzucker (Obst, süße Getränke) und Sorbit (Zuckeraustauschstoff) nicht vertragen.
  • Bereiten Sie Fisch, Fleisch und Eier nur gekocht, gedünstet oder ohne Fettzugabe im Backofen zu.
Ältere Frau steht in der Küche am Herd und kocht. Dabei hält sie ein Tablet in der Hand und liest etwas.

Bedarfsgerechte Ernährung für Morbus Crohn in der Remissionsphase

In der Remissionsphase gelten grundsätzlich die Empfehlungen für eine „Leichte Vollkost“ (siehe Tabelle). Da die Verträglichkeit einiger Lebensmittel sehr individuell ist, muss mit Hilfe eines Ernährungsprotokolls in der Therapie ein persönlicher Plan aufgestellt werden.

Was Sie in der Remissionsphase von Morbus Crohn essen sollten

  • Essen Sie in Ruhe, nehmen Sie sich Zeit zum Essen und kauen Sie gründlich.
  • Schälen Sie Obst und Gemüse vor dem Verzehr, da Schalen und Häute häufig nicht gut verträglich sind.
  • Vermeiden Sie den Verzehr von Zucker und gesüßten Speisen. Zucker fördert Entzündungsprozesse.
  • Verzichten Sie auf Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit, Lactit oder Isomalt.
  • Meiden Sie Fertigprodukte und schränken Sie den Genuss von Kaffee ein.
  • Probiotische Milchprodukte wie Joghurt oder Kefir unterstützen den Aufbau einer gesunden Darmflora.
  • Lebensmittel, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind, können dazu beitragen, die im Darm ablaufenden Entzündungsprozesse zu lindern. Dies sind vor allem Seefisch (Makrele, Lachs, Thunfisch, Hering), Rapsöl, Walnussöl und Leinöl.
  • Sofern keine Stenosen (Verengungen) im Darm vorliegen, können lösliche Ballaststoffe, z.B. aus Flohsamenschalen, die Verdauung unterstützen.

Leben mit Morbus Crohn: Endlich mehr Wohlbefinden bei Morbus Crohn!

Mit einer bedarfsgerechten Ernährung können Sie die Symptome und Schübe von Morbus Crohn nachhaltig reduzieren und sich so wieder mehr Lebensqualität verschaffen. Ihr einer Ernährungstherapie wird Ihre Ernährung während akuten Schüben sowie in der Remissionsphase individuell an Sie angepasst. So tritt oft eine schnelle Verbesserung des Krankheitsverlaufs ein.

Frau mit Übergewicht sitzt am Tisch und hält eine Tasse in ihren Händen.

Empfehlungen für eine verträgliche Ernährung bei Morbus Crohn (Tabelle)

Diese Lebensmittel gehören zu einer „Leichten Vollkost“ bei Morbus Crohn.

Tabelle zum Download

Verträgliche Lebensmittel bei Morbus Crohn

Lebensmittel

Erfahrungsgemäß schwer bekömmlich

Verträgliche Alternativen

Getreide und Getreideprodukte

(Vollkorn-) Brot mit ganzen Körnern,
Produkte aus Weizenmehl

fein gemahlene und geschrotete Vollkornprodukte (z.B. Grahambrot, Roggen- und Vollkorntoastbrot),
Backwaren aus Hafer, Dinkel, Hirse, Gerste, Quinoa, Amaranth, Reis, Nudeln
—> bei Stenosen keine Vollkornprodukte!

fette Backwaren (z.B. Sahne- und Cremetorten, Croissant)

in Maßen: Obstkuchen ohne Sahne,
Haferkekse, wenig gesüßte Backwaren

Kartoffeln

gebratene frittierte Kartoffelgerichte (z.B. Pommes Frites, Bratkartoffeln, Kroketten), Kartoffelsalat mit Speck und Mayonnaise

ohne oder mit sehr wenig Fett zubereitete Kartoffelgerichte (z.B. Pellkartoffeln, Salzkartoffeln, Kartoffelpüree, Folienkartoffeln)

Gemüse

schwer verdauliche oder blähende Gemüse (z.B. Grün-, Rot-, Weiß- und Rosenkohl, Wirsing, Sauerkraut, Lauch, Zwiebeln, Pilze, Paprika, Oliven, Gurken- und Rettichsalat, getrocknete Hülsenfrüchte), Gemüsesalate mit Mayonnaise oder fetten Soßen

leicht verträgliches Gemüse (z.B. Auberginen, Karotten, Fenchel, junge Kohlrabi, Brokkoli- und Blumenkohlröschen, feine Bohnen und grüne Erbsen, Tomaten (ohne Haut oder püriert)), Zucchini, grüner Salat (nicht bei Stenosen)

Obst

unreifes Obst (z.B. grüne Bananen)

reifes Obst

rohes Steinobst (z.B. Kirschen und Pflaumen), Ananas, Feigen, Weintrauben, Johannisbeeren, Trockenobst, Avocados, Nüsse, Mandeln, Pistazien

leicht verträgliche Sorten (roh oder gegart), z.B. reife Bananen, Erdbeeren, Himbeeren
—> Äpfel, Birnen und Pfirsiche am besten geschält

Milch und Milchprodukte

Vollmilch und (gesäuerte) Vollmilchprodukte, Sahne, Rahm

fettarme Milch und fettarme (gesäuerte) Milchprodukte (z.B. Joghurt mit 1,5% Fett)

pikante und sehr fetthaltige Käsesorten über 45% Fett i.Tr. (z.B. Gorgonzola, Roquefort, Schimmelkäse)

milde Käsesorten bis 45% Fett i.Tr. (z.B. Frisch-, Weich-, Schnittkäse)

Eier

hart gekochte Eier

weich gekochte Eier

mit viel Fett zubereitete Eierspeisen (z.B. Rührei mit Speck, Spiegelei, Mayonnaise)

Omelette, Rührei ohne Speck

Fleisch und Wurst

fettes, geräuchertes, gepökeltes, scharf angebratenes Fleisch

mageres Fleisch (z.B. von Rind, Kalb, Geflügel (ohne Haut!)), Lamm gekocht, gegrillt, in Folie gegart oder geschmort

fette und geräucherte Wurstwaren (z.B. Speck, Pasteten)

magere Wurstsorten (z.B. Lachsschinken, gekochter Schinken ohne Fettrand, Putenbrust, Geflügelwurst, kalter Braten)

Fisch und Fischwaren

fette und geräucherte Fischwaren (z.B. Aal, panierter Fisch)

frische und tiefgekühlte Seefische,
nicht paniert, gegrillt oder gedünstet
nach Verträglichkeit: Geräuchertes wie Makrele oder Hering

Fischkonserven und -salate in Soßen oder Cremes

Fischerzeugnisse in eigenem Saft

Öle und Fette

reichliche Mengen an Streich- und Kochfett sowie Ölen

kleine Mengen an Streich- und Kochfett sowie Ölen (Rapsöl, Walnussöl, Leinöl), Kokosfett

Getränke

kohlensäurehaltige, eisgekühlte und alkoholische Getränke

Wasser mit wenig oder ohne Kohlensäure, ungesüßter Tee, stark verdünnte Fruchtsäfte, wenig Kaffee, Espresso, schwarzer Tee

Gewürze und Kräuter

größere Mengen Pfeffer, Salz, Curry, Paprikapulver, Senf, Meerrettich, Zwiebel- und Knoblauchpulver, scharfe Gewürzmischungen

frische und getrocknete Kräuter, milder Essig (z.B. Balsamico), Zitronensaft, mäßig Salz mit Jod und Flourid

Quellen:

  • Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V. – www.dccv.ce
  • Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e.V.
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Beratungsstandard
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung – Leichte Vollkost