Bauchspeicheldrüse durch Ernährung entlasten – Empfehlungen im Überblick
Die Bauchspeicheldrüse, auch als Pankreas bezeichnet, ist ein Drüsenorgan, das sowohl Hormone als auch Verdauungsenzyme produziert. Sie ist an der Regulation des Blutzuckerspiegels, der Spaltung der Makronährstoffe Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße sowie der Neutralisierung der Magensäure wesentlich beteiligt. Die vielfältigen Aufgaben der Bauchspeicheldrüse machen sie zu einem unverzichtbaren Organ für die Aufrechterhaltung wichtiger Stoffwechsel- und Verdauungsprozesse und geben ihr damit eine zentrale Rolle im menschlichen Körper. Aus diesem Grund kann eine Erkrankung dieses Organs eine erhebliche Belastung für den Körper darstellen. Wie können wir die Bauchspeicheldrüse also entlasten?
Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse: Symptome und Risiken
Besonders zu beachten ist die Bauchspeicheldrüsenentzündung, auch Pankreatitis genannt. Für die Betroffenen ist die Entzündung häufig mit schweren Symptomen verbunden. Dazu zählen starke Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen, ausgeprägte Übelkeit und Fettstühle. Darüber hinaus kann es zu einem ungewollten Gewichtsverlust kommen, was die Lebensqualität zusätzlich beeinträchtigt.
In der medizinischen Praxis wird zwischen der akuten und der chronischen Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung unterschieden. Die jeweilige Symptomlage spielt dabei eine zentrale Rolle bei der Diagnose und Behandlung. Beide Formen gehen mit einem erhöhten Risiko für Mangelernährung und im weiteren Verlauf sogar für Osteoporose einher. Aus diesem Grund ist häufig eine Ernährungstherapie notwendig, um die Gesundheit der Betroffenen zu unterstützen und Folgeschäden zu vermeiden.
Die Ernährungsveränderung soll zur Unterstützung der Verdauungsfunktionen und der Entlastung der Bauchspeicheldrüse dienen.

Erfolgreiche Ernährungsveränderung: Professionelle Ernährungstherapie
Eine professionelle Ernährungstherapie hilft, die Beschwerden zu lindern und die individuelle Lebensqualität zu steigern. Die Umstellung der Ernährung erfolgt stets in enger Abstimmung mit den persönlichen Bedürfnissen und dem jeweiligen Krankheitsbild, um eine optimale Unterstützung zu gewährleisten und Mangelernährung vorzubeugen.

Ernährungsempfehlungen bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Bei einer gestörten Fettverdauung, wie sie häufig im Rahmen einer Bauchspeicheldrüsenerkrankung vorkommt, ist es besonders wichtig, auf die Auswahl der Lebensmittel zu achten. Hier sollte auf eine möglichst fettarme und zugleich leicht verdauliche Kost geachtet werden. In solchen Fällen empfiehlt sich die sogenannte angepasste Vollkost. Sie stellt eine ausgewogene Ernährungsform dar, die auf schwer verdauliche und fettreiche Speisen verzichtet und stattdessen bekömmliche, milde Lebensmittel bevorzugt. Diese Form der Ernährung wird von den meisten Betroffenen gut vertragen und unterstützt die Verdauungsfunktion, ohne die Bauchspeicheldrüse zusätzlich zu belasten. Spezielle Diäten sind in der Regel nicht notwendig und werden auch nicht empfohlen, da sie meist zu einseitig sind und das Risiko für eine Mangelernährung noch zusätzlich erhöhen können.
Angepasste Vollkost bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Die angepasste Vollkost stellt eine bewährte Ernährungsform dar, die insbesondere zur Beruhigung eines empfindlichen Magens oder Darms empfohlen wird. Sie ist gekennzeichnet durch eine abwechslungsreiche und vollwertige Lebensmittelauswahl, die auf milde, fettarme und leicht verdauliche Lebensmittel setzt.
Um die Bauchspeicheldrüse gezielt zu entlasten, ist es ratsam, den Verzehr von tierischen Fetten und Eiweiß zu reduzieren. Besonders wichtig ist es, große und schwere Mahlzeiten zu vermeiden sowie auf sehr fettige, gebratene oder stark gewürzte Speisen zu verzichten. Stattdessen empfiehlt es sich, mehrere kleine und regelmäßige Mahlzeiten über den Tag zu verteilen. Dadurch wird der Verdauungstrakt weniger beansprucht, was zu einer spürbaren Entlastung der Bauchspeicheldrüse beitragen kann.
Praktische Empfehlungen zur Ernährung bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen
Damit die angepasste Vollkost optimal zur Entlastung der Bauchspeicheldrüse beiträgt, ist es ratsam, bei der Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel bestimmte Grundsätze zu beachten. Im Folgenden finden Sie ausführliche Empfehlungen, die Ihnen helfen, Beschwerden zu lindern und die Verdauung nicht zusätzlich zu belasten.
Zubereitungsmethoden
Für Menschen mit Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse spielt die schonende Zubereitung von Mahlzeiten eine zentrale Rolle. Besonders vorteilhaft sind Garmethoden wie Dünsten und Kochen. Durch diese Verfahren werden die Speisen so zubereitet, dass sie leichter verdaulich sind und den Verdauungstrakt weniger belasten.
Im Gegensatz dazu sollten Zubereitungsarten wie Frittieren, Braten, Grillen und Panieren möglichst vermieden werden. Diese Methoden führen dazu, dass die Speisen einen höheren Fettanteil erhalten und schwerer verdaulich sind.
Pflanzliche Fette bevorzugen
Setzen Sie bei der Zubereitung Ihrer Mahlzeiten bevorzugt auf pflanzliche Fette, wie beispielsweise Raps- oder Olivenöl. Tierische Fette sollten hingegen weitestgehend gemieden werden, da sie schwerer verdaulich sind und den Verdauungstrakt stärker beanspruchen. Auch bei Milchprodukten empfiehlt sich die Auswahl fettarmer Varianten mit weniger als 30 % Fett, wie etwa fettarmer Joghurt oder Kefir. Achten Sie beim Käse darauf, dass er maximal 45 % Fett in der Trockenmasse enthält, um die Fettzufuhr möglichst gering zu halten.
Gemüse schonend zubereiten
Gedämpftes oder gekochtes Gemüse ist in der Regel deutlich besser verträglich als rohes Gemüse. Verzichten Sie auf schwer verdauliche Gemüsesorten wie Kohl, Hülsenfrüchte, saure Gemüsespeisen und Sojaprodukte, da diese die Verdauung erschweren können. Fettes Fleisch sollte ebenfalls vermieden werden; greifen Sie stattdessen zu magerem Fleisch und konsumieren Sie dieses nur in kleinen Mengen.
Geeignete Backwaren auswählen
Produkte aus Weißmehl, wie Toastbrot oder Zwieback, sind meist leicht verdaulich und gut verträglich. Brote mit vielen ungeschroteten Körnern können die Verdauung hingegen belasten und sollten daher vermieden werden.
Ballaststoffzufuhr beachten
Auch bei einer angepassten Vollkost sollten Ballaststoffe nicht komplett ausgeschlossen werden, da sie eine wichtige Funktion für die Darmgesundheit erfüllen. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um den Körper optimal zu unterstützen und die Reinigung des Darms zu fördern.
Geeignete Getränke wählen
Bevorzugen Sie bei Problemen mit der Bauchspeicheldrüse stilles Wasser oder milde Teesorten, wie Fenchel, Kümmel, Anis, Kamille etc. Verzichten Sie möglichst auf Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke und alkoholische Getränke, da diese die Bauchspeicheldrüse und den Verdauungstrakt zusätzlich belasten können.
Obst als Mus oder Kompott
Obst wird oft in Form von Mus oder Kompott besser vertragen als frisch und roh. Durch das Garen wird das Obst bekömmlicher und belastet die Verdauung weniger, was bei Bauchspeicheldrüsenerkrankungen besonders wichtig ist.

Verträgliche und weniger verträgliche Lebensmittel
Lebensmittelgruppe | verträgliche Lebensmittel | weniger gut verträgliche Lebensmittel |
|---|---|---|
Fleisch | Mageres Fleisch von Rind, Kalb, Geflügel, Wild, Kaninchen | Fettes Fleisch von Ente, Gans, Schwein, Schaf, etc. |
Wurst | Geflügelwurst, Kochschinken, Corned Beef, Lachsschinken, etc. | Fette Wurstwaren wie: Leberwurst, Salami, Cervelats Wurst, etc. |
Fisch/Meerestiere | Schalentiere, Krustentiere, magere Fischsorten wie Schellfisch, Kabeljau/Dorsch, Zander, Flunder, Seelachs, Steinbutt | Fetter Fisch wie Aal, Lachs, Hering, Makrele, etc. |
Milchprodukte | Fettarme Produkte unter 1,5 % Fettanteil, Sauermilch, Dickmilch, Joghurt, Käse unter 45 % Fett in der Trockenmasse | Fette Milchprodukte wie Käse über 45 % Fett in der Trockenmasse, Joghurt mit einem Fettanteil über 1,5 % |
Getreideprodukte | Feines Vollkornbrot, älteres Brot, Reis, Nudeln, Kartoffeln, Grieß, Rührkuchen, leichte Hefeprodukte | Frisches Brot, grobes Vollkornbrot; Körnerbrote, Brote mit einem hohen Anteil an Sauerteig |
Gemüse | Grüner Salat, Fenchel, Kohlrabi, Karotten, Tomaten, Kürbis, Zucchini, Erbsen, grüne Bohnen | Blähende Gemüsesorten wie Pilze, Lauch, Kohl, Zwiebeln, Paprika, Gurkensalat, Hülsenfrüchte |
Obst/Nüsse | Apfel, Birne, Banane, Beeren, und generell reife Obstsorten, Aprikosen, Pfirsiche | Nüsse, Steinobst, Zitrusfrüchte, Kernobst, Ananas, säurehaltige Obstsorten |
Eier | Rührei | Eier hartgekocht |
Fazit: Bauchspeicheldrüse durch Ernährung entlasten
Bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse empfiehlt sich eine angepasste Vollkost. Diese spezielle Ernährungsform kann dazu beitragen, die Bauchspeicheldrüse zu entlasten. Gleichzeitig hilft sie, einer Fehl- und Mangelernährung vorzubeugen oder diese sogar langfristig zu vermeiden. Durch die gezielte Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel wird der Verdauungstrakt geschont und das Wohlbefinden der Betroffenen verbessert. Denken Sie immer daran, je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto ungünstiger ist es für Ihre Ernährung.
Rezeptvorschlag: Haferflockensuppe
Die Haferflockensuppe ist ein einfaches und bekömmliches Gericht, das sich hervorragend für eine angepasste Vollkost eignet. Sie ist leicht verdaulich und kann durch die enthaltenen Haferflocken und das Gemüse zur Schonung des Verdauungstraktes beitragen.
Zutaten (für 2 Personen)
1 kleine Stange Lauch
1 Bund Suppengrün
1 EL Öl
70 g feine Haferflocken
1 l Fleischbrühe (alternativ Gemüsebrühe)
1 Prise Salz
Zubereitung:
- Das Gemüse in kleine Würfel schneiden.
- Öl in einem Topf erhitzen und das Gemüse unter Rühren anbraten.
- Die Haferflocken zugeben und ebenfalls unter Rühren kurz anbraten.
- Nach und nach die Brühe zugießen und dabei ständig rühren.
- Die Suppe zum Kochen bringen und bei geringer Hitze etwa 10 Minuten quellen lassen.
Die Haferflockensuppe ist nun fertig und kann serviert werden. Sie eignet sich besonders gut für eine Ernährung, die auf die Entlastung der Bauchspeicheldrüse ausgerichtet ist und unterstützt ein gesteigertes Wohlbefinden durch ihre leichte Bekömmlichkeit.
Guten Appetit!
Quellen:
S-3 Leitlinie Klinische Ernährung bei Pankreaserkrankung (DGEM); 2024 Thieme; AWMF-Registriernr.: 073-025
Checkliste Innere Medizin; Johannes-Martin-Hahn; 9. Auflage; Thieme Verlag; 2023
Diabetologie in Klinik und Praxis; Helmut Mehnert; Eberhard Standl; Klaus-Henning Usadel; 4. Aufl. Thieme Verlag; 1999
Ernährungslehre Kompakt; Alexander Schek; Umschau Verlag; 5. Auflage; 2013
Körper; Neumann & Göbel Verlagsgesellschaft GmbH; 2025
Das Große Kochbuch; Horst Schwarzer und Anette Wolter; Deutscher Bücherbund GmbH & Co.; Gräfe und Unzer Verlag; 1981
Ernährung bei Übergewicht und metabolischem Syndrom; Umschau Zeitschriftenverlag; Eggert Holm; Björgulf Herberger; 2013
Adipositas Ursachen und Therapie; JohannesG. Wechsler; Blackwell Wissenschafts Verlag GmbH; 1998
Die Psychologie des Essens und Trinkens; A.W. Logue; Spektrum Akademischer Verlag; 2009
Taschenatlas Ernährung; Hans Konrad Biesalski und Peter Grimm; Thieme Verlag; 4. Auflage 2007
Ernährung im Kontext der bariatrischen Chirurgie; Mario Hellbardt; 09. Auflage 2022
