Ernährung bei Cortison – Was während der Therapie wichtig ist

Cortison und Prednisolon sind Glukokortikoide und zählen zu den wirksamsten Medikamenten zur Behandlung von Entzündungen und Autoimmunerkrankungen. Sie helfen rasch gegen Beschwerden bei einer Vielzahl von Krankheiten, darunter Rheuma, Asthma, Hauterkrankungen, Krebs, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder neurologische Erkrankungen. Allerdings führt die Therapie zu einer veränderten Stoffwechsellage. Eine angepasste Ernährung kann helfen, Nebenwirkungen zu reduzieren und die Therapie sinnvoll zu unterstützen.

Autor:in: Lheanne Pauckner

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Ein älterer Mann und eine ältere Frau sind in der Küche und kochen gemeinsam.

Wirkung von Cortison

Cortison ist die inaktive Vorstufe des körpereigenen Hormons Cortisol, das in der Nebennierenrinde produziert wird. Prednisolon wirkt deutlich stärker entzündungshemmend. Während einer Therapie mit Glukokortikoiden wird der natürliche Cortisolspiegel beeinflusst. Gleichzeitig wirken sie auf den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel sowie auf das Immunsystem. Abhängig von Dosis und Dauer der Medikation können Veränderungen beim Blutzuckerspiegel, Körpergewicht und in der Knochendichte entstehen. Hohe Dosierungen sollten möglichst nur kurzzeitig eingesetzt und anschließend reduziert werden. Die Einnahme in den frühen Morgenstunden (6–8 Uhr) wird meist besser toleriert, da der körpereigene Cortisolspiegel zu diesem Zeitpunkt am höchsten ist.

Nebenwirkungen von Cortison

Nebenwirkungen treten nicht bei jeder Person gleich auf. Bei kurzfristiger und niedrig dosierter Therapie über wenige Tage oder Wochen bleiben unerwünschte Effekte meist mild und bilden sich nach dem Ausschleichen wieder zurück.

Bereits nach wenigen Tagen kann jedoch der Blutzuckerspiegel ansteigen, insbesondere bei höheren Dosierungen. Weitere typische Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme, vermehrter Appetit, Heißhunger auf hochkalorische Lebensmittel, Insulinresistenz, Veränderungen der Blutfettwerte, Wassereinlagerungen sowie Muskelabbau entwickeln sich häufig über mehrere Wochen. Das Gewicht sollte etwa einmal pro Woche kontrolliert werden, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Veränderungen der Knochendichte entstehen meist erst bei längerer Einnahme (>3 Monate) und können das Osteoporoserisiko erhöhen. Eine frühzeitige Ernährungsanpassung kann hier präventiv wirken.

Wichtig ist: Cortison ist häufig medizinisch notwendig. Ziel der Ernährungsberatung ist es nicht, die Therapie infrage zu stellen, sondern den Stoffwechsel während der Cortisonbehandlung bestmöglich zu unterstützen.

Frau isst traurig einen Kuchen.

Ernährungsschwerpunkte bei Cortisoneinnahme

Eine ausgewogene Ernährung hilft, den Stoffwechsel trotz Glukokortikoidtherapie zu stabilisieren. Empfehlenswert ist eine kalorienbewusste, gemüsebetonte, proteinangepasste und blutzuckerstabilisierende Ernährung. Wie effektiv eine sehr kohlenhydratarme (Low Carb) oder ketogene Ernährung der veränderten Stoffwechsellage entgegenwirken können, wird aktuell diskutiert.

Eiweiß

Da Cortison den Muskelabbau fördern kann, ist eine ausreichende Eiweißzufuhr von besonderer Relevanz (>0,8 g/kg Körpergewicht, optimal 1–1,5 g/kg Körpergewicht; bei Übergewicht berechnet nach Normalgewicht). Jede Mahlzeit sollte eine Proteinquelle enthalten – etwa Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte oder pflanzliche Alternativen wie Hülsenfrüchte, Nüsse und Pseudogetreide. Eiweiß unterstützt den Muskelerhalt und stabilisiert zusätzlich den Blutzucker.

Komplexe Kohlenhydrate

Für einen stabilen Blutzuckerwert sind komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Gemüse ideal. Im Gegensatz zu Weißmehl, Zucker oder viel Obst sorgen sie dafür, dass der Blutzuckerspiegel langsamer ansteigt. Obst sollte demnach besser mit einer Proteinquelle kombiniert und nach einer Mahlzeit verzehrt werden. Eine ballaststoffreiche Kost sorgt zudem für bessere Sättigung und reduziert Heißhunger.

Kalzium

Zum Schutz der Knochen ist auf eine ausreichende Kalziumzufuhr (1000–1200 mg/Tag) zu achten, beispielsweise durch Milchprodukte, kalziumreiche pflanzliche Lebensmittel oder Mineralwasser (mind. 250 mg/l). Eine gute Vitamin-D-Versorgung (600–800 IE/Tag) und regelmäßige Bewegung – idealerweise Krafttraining – unterstützen ebenfalls den Erhalt der Knochendichte.

Salzreduktion

Eine Salzreduktion (<4 g/Tag) kann helfen, Wassereinlagerungen und Bluthochdruck vorzubeugen. Fertiggerichte, salzige Snacks, Wurst und Käse sollten daher nur in moderaten Mengen verzehrt werden. Kräuter und Gewürze bieten geschmackvolle Alternativen.

Gesunde Fette

Gesunde Fette, insbesondere Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Raps- und Leinöl sowie Olivenöl, sollten aufgrund des veränderten Fettsäurestoffwechsels bevorzugt werden.

Stabilität statt Verzicht

Insgesamt gibt es keine strikt verbotenen Lebensmittel. Zuckerhaltige Speisen und Getränke wie Süßigkeiten oder Softdrinks sowie stark verarbeitete Weißmehlprodukte sind jedoch ungünstig, da sie schnelle Blutzuckerschwankungen verursachen und eine Gewichtszunahme begünstigen können. Eine moderate Kalorienreduktion von etwa 500 kcal pro Tag kann dem entgegenwirken. Alkohol und Grapefruit sollten aufgrund von Medikamenteninteraktionen möglichst nicht konsumiert werden.

Frau isst Fisch mit Gemüsebeilage

Alltagstauglich essen während der Cortisonbehandlung

So könnte eine ausgewogene Mahlzeit während einer Cortisontherapie aussehen:

  • ½ Gemüse
  • ¼ Protein (Fisch, mageres Fleisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse, Pseudogetreide)
  • ¼ komplexer Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Haferflocken, Kleie, Pseudogetreide)

Zur Zubereitung eignen sich moderate Mengen pflanzlicher Fette sowie Kräuter und Gewürze. Entscheidend ist weniger die perfekte Ernährung als vielmehr eine konsequente, alltagstaugliche Umsetzung. Kleine Veränderungen – weniger Süßes, mehr Gemüse und eine bewusste Proteinzufuhr – können bereits einen spürbaren Unterschied machen.

Einfaches Ofengericht: Lachs mit mediterranem Gemüse und Kartoffeln

Zutaten (2 Portionen)

Gemüse (½ Teller)

  • 1 Zucchini
  • 1 rote Paprika
  • 1 kleine Aubergine
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Handvoll Kirschtomaten
  • 2 EL Olivenöl
  • Thymian, Oregano oder Rosmarin
  • Pfeffer, wenig Salz

Protein (¼ Teller)

  • 2 Lachsfilets (je ca. 120–150 g)
  • Zitronensaft
  • Pfeffer
  • Dill oder Petersilie

Komplexe Kohlenhydrate (¼ Teller)

  • 300–400 g Kartoffeln
  • Thymian, Oregano oder Rosmarin
  • Pfeffer, wenig Salz

 

Zubereitung:

  1. Ofen vorheizen auf 200 °C (Umluft 180 °C).
  2. Schneiden Sie das Gemüse und die Kartoffeln in mundgerechte Stücke und geben Sie diese auf ein Backblech. Vermengen Sie das Gemüse anschließend mit Olivenöl, Kräutern und Pfeffer. Etwa 20–25 Minuten in den Ofen geben.
  3. Lachsfilets mit Zitronensaft, Pfeffer und Dill würzen und in den letzten 12–15 Minuten zum Gemüse in den Ofen geben.
  4. Alles auf Tellern anrichten.

 

Rezept zum Download

 

Warum dieses Gericht gut bei Cortisontherapie passt:

  • Proteinreich: unterstützt Muskelerhalt bei erhöhtem Proteinabbau durch Glukokortikoide
  • Ballaststoffreich: stabilisiert den Blutzuckerspiegel und reduziert Heißhunger
  • Omega-3-Fettsäuren: können entzündungshemmend wirken
  • Kalium- und magnesiumreiches Gemüse: unterstützt den Mineralstoffhaushalt
  • Moderate Salzmenge: kann Wassereinlagerungen vorbeugen

Fazit zur Ernährung bei Cortisontherapie

Cortison beziehungsweise Glukokortikoide wie Prednison sind hochwirksame Medikamente mit großem therapeutischem Nutzen. Nebenwirkungen hängen stark von Dosis und Dauer der Einnahme ab und betreffen verschiedene Stoffwechselprozesse. Eine gezielte Ernährung kann helfen, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren, Muskelabbau zu begrenzen und die Knochendichte zu schützen.

Statt strenger Verbote steht eine ausgewogene, gemüsebetonte, proteinangepasste, blutzuckerstabilisierende und salzbewusste Ernährung im Vordergrund. In enger Abstimmung mit dem/der behandelnden Ärzt:in oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft lässt sich die Therapie optimal begleiten – mit dem Ziel, Wirkung und Verträglichkeit bestmöglich in Balance zu halten.

Quellen:

Bishehsari F, et al. Circadian rhythms in gastroenterology: the biological clock’s impact on gut health. Gastroenterology. 2025;169(7):1380–1396.

Esteves GP, Mazzolani BC, Smaira FI, Mendes ES, de Oliveira GG, Roschel H, et al. Nutritional recommendations for patients undergoing prolonged glucocorticoid therapy. Rheumatol Adv Pract. 2022;6(2):rkac029. doi:10.1093/rap/rkac029.

Stomby A, Simonyte K, Mellberg C, Ryberg M, Stimson RH, Larsson C, et al. Diet-induced weight loss has chronic tissue-specific effects on glucocorticoid metabolism in overweight postmenopausal women. Int J Obes (Lond). 2015;39(5):814–819. doi:10.1038/ijo.2014.188.

Guarnotta V, Amodei R, Di Gaudio F, Giordano C. Nutritional intervention in Cushing’s disease: the ketogenic diet’s effects on metabolic comorbidities and adrenal steroids. Nutrients. 2023;15(21):4647. doi:10.3390/nu15214647.

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    Grundsätzlich gehört Zucker zu den Kohlenhydraten, die uns Energie liefern. Es gibt jedoch verschiedene Kategorien, die mehr oder weniger gesund ist. Oft versteckt sich Zucker auch hinter unbekannten Begriffen in den Zutatenlisten. Wie viel Zucker am Tag höchstens aufgenommen werden sollte, wurde offiziell festgelegt und sollte zugunsten der Gesundheit nicht…

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    Unter ADHS versteht man eine Störung der neuronalen Entwicklung im Kindesalter, die sich durch Symptome wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität äußern kann. Nach der Diagnose von ADHS können unterschiedliche Methoden für eine individuelle Behandlung gewählt werden.

  • Was sind gesunde Fette?

    Fett ist ein Makronährstoff, aufgebaut aus Fettsäuren, der uns Energie liefert. Der Aufbau der Fettsäuren ist entscheidend dafür, ob es sich um mehr oder weniger gesundes Fett handelt. Oft können ungesunde gesättigte Fettsäuren durch Lebensmittel mit gesünderen Fetten ersetzt werden. Damit wird das Risiko für viele Folgekrankheiten reduziert.

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    Die traditionelle mediterrane Ernährung basiert auf viel Gemüse, Vollkornprodukten und Ölen. Somit ist sie reich an Ballaststoffen, gesunden Fetten und weiteren wichtigen Nährstoffen. Die mediterrane Kost entspricht deshalb dem Ideal für eine gesunde Diät und kann das Risiko für viele ernährungsmitbedingte Krankheiten reduzieren.

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    Eine verträgliche Ernährung bei Colitis ulcerosa ist wichtig, um den Darm zu schonen. Durch bestimmte Zubereitungsarten und Lebensmittel verbessern Sie Ihre Ernährung sowohl während eines Schubs von Colitis ulcerosa als auch während der Remissionsphase.

  • Colitis ulcerosa: Symptome und Diagnose

    Bei Colitis ulcerosa handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die ausschließlich den Dickdarm betrifft. Colitis ulcerosa verläuft meist in Schüben und ist therapierbar, aber nicht heilbar. Sie kann für Betroffene sehr belastend sein.

  • Bedarfsgerechte Ernährung bei Morbus Crohn

    Eine individuell angepasste Ernährung bei Morbus Crohn ermöglicht es, den Verdauungstrakt zu schonen und zugleich eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherzustellen. Daher ist es wichtig zu wissen, was Sie während eines Schubs von Morbus Crohn essen sollten und welche Lebensmittel auch in der Remissionsphase mehr oder weniger empfehlenswert sind.

  • Morbus Crohn: Die Krankheit, ihre Symptome und Diagnose

    Morbus Crohn ist eine entzündliche Darmerkrankung, die in Schüben auftritt und bisher nicht heilbar ist. Um Symptome gezielt zu lindern und Folgen zu vermeiden, sollte die Krankheit frühzeitig erkannt werden. Die Diagnose von Morbus Crohn erfolgt durch verschiedene Untersuchungen.

  • Die richtige Ernährung bei Krebserkrankungen

    Es gibt keine Form der Ernährung, die Krebs heilen kann. Jedoch kann eine individuell angepasste Ernährung das Wohlbefinden verbessern. Außerdem können Krebspatient:innen so eine Mangelernährung und (weiteren) Gewichtsverlust vorbeugen.

  • Krebs: Entstehung, Anzeichen und Behandlung der Erkrankung

    Verschiedene Risikofaktoren können dafür sorgen, dass Krebs entsteht. Entscheidend ist es, Anzeichen für Krebs rechtzeitig zu erkennen und abklären zu lassen. Es bestehen mehrere Möglichkeiten für eine Behandlung der Krebserkrankung.