Ernährung bei Cortison – Was während der Therapie wichtig ist
Cortison und Prednisolon sind Glukokortikoide und zählen zu den wirksamsten Medikamenten zur Behandlung von Entzündungen und Autoimmunerkrankungen. Sie helfen rasch gegen Beschwerden bei einer Vielzahl von Krankheiten, darunter Rheuma, Asthma, Hauterkrankungen, Krebs, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder neurologische Erkrankungen. Allerdings führt die Therapie zu einer veränderten Stoffwechsellage. Eine angepasste Ernährung kann helfen, Nebenwirkungen zu reduzieren und die Therapie sinnvoll zu unterstützen.

Wirkung von Cortison
Cortison ist die inaktive Vorstufe des körpereigenen Hormons Cortisol, das in der Nebennierenrinde produziert wird. Prednisolon wirkt deutlich stärker entzündungshemmend. Während einer Therapie mit Glukokortikoiden wird der natürliche Cortisolspiegel beeinflusst. Gleichzeitig wirken sie auf den Zucker-, Fett- und Eiweißstoffwechsel sowie auf das Immunsystem. Abhängig von Dosis und Dauer der Medikation können Veränderungen beim Blutzuckerspiegel, Körpergewicht und in der Knochendichte entstehen. Hohe Dosierungen sollten möglichst nur kurzzeitig eingesetzt und anschließend reduziert werden. Die Einnahme in den frühen Morgenstunden (6–8 Uhr) wird meist besser toleriert, da der körpereigene Cortisolspiegel zu diesem Zeitpunkt am höchsten ist.
Nebenwirkungen von Cortison
Nebenwirkungen treten nicht bei jeder Person gleich auf. Bei kurzfristiger und niedrig dosierter Therapie über wenige Tage oder Wochen bleiben unerwünschte Effekte meist mild und bilden sich nach dem Ausschleichen wieder zurück.
Bereits nach wenigen Tagen kann jedoch der Blutzuckerspiegel ansteigen, insbesondere bei höheren Dosierungen. Weitere typische Nebenwirkungen, wie Gewichtszunahme, vermehrter Appetit, Heißhunger auf hochkalorische Lebensmittel, Insulinresistenz, Veränderungen der Blutfettwerte, Wassereinlagerungen sowie Muskelabbau entwickeln sich häufig über mehrere Wochen. Das Gewicht sollte etwa einmal pro Woche kontrolliert werden, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Veränderungen der Knochendichte entstehen meist erst bei längerer Einnahme (>3 Monate) und können das Osteoporoserisiko erhöhen. Eine frühzeitige Ernährungsanpassung kann hier präventiv wirken.
Wichtig ist: Cortison ist häufig medizinisch notwendig. Ziel der Ernährungsberatung ist es nicht, die Therapie infrage zu stellen, sondern den Stoffwechsel während der Cortisonbehandlung bestmöglich zu unterstützen.

Ernährungsschwerpunkte bei Cortisoneinnahme
Eine ausgewogene Ernährung hilft, den Stoffwechsel trotz Glukokortikoidtherapie zu stabilisieren. Empfehlenswert ist eine kalorienbewusste, gemüsebetonte, proteinangepasste und blutzuckerstabilisierende Ernährung. Wie effektiv eine sehr kohlenhydratarme (Low Carb) oder ketogene Ernährung der veränderten Stoffwechsellage entgegenwirken können, wird aktuell diskutiert.
Eiweiß
Da Cortison den Muskelabbau fördern kann, ist eine ausreichende Eiweißzufuhr von besonderer Relevanz (>0,8 g/kg Körpergewicht, optimal 1–1,5 g/kg Körpergewicht; bei Übergewicht berechnet nach Normalgewicht). Jede Mahlzeit sollte eine Proteinquelle enthalten – etwa Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte oder pflanzliche Alternativen wie Hülsenfrüchte, Nüsse und Pseudogetreide. Eiweiß unterstützt den Muskelerhalt und stabilisiert zusätzlich den Blutzucker.
Komplexe Kohlenhydrate
Für einen stabilen Blutzuckerwert sind komplexe Kohlenhydrate aus Vollkorn, Hülsenfrüchten und Gemüse ideal. Im Gegensatz zu Weißmehl, Zucker oder viel Obst sorgen sie dafür, dass der Blutzuckerspiegel langsamer ansteigt. Obst sollte demnach besser mit einer Proteinquelle kombiniert und nach einer Mahlzeit verzehrt werden. Eine ballaststoffreiche Kost sorgt zudem für bessere Sättigung und reduziert Heißhunger.
Kalzium
Zum Schutz der Knochen ist auf eine ausreichende Kalziumzufuhr (1000–1200 mg/Tag) zu achten, beispielsweise durch Milchprodukte, kalziumreiche pflanzliche Lebensmittel oder Mineralwasser (mind. 250 mg/l). Eine gute Vitamin-D-Versorgung (600–800 IE/Tag) und regelmäßige Bewegung – idealerweise Krafttraining – unterstützen ebenfalls den Erhalt der Knochendichte.
Salzreduktion
Eine Salzreduktion (<4 g/Tag) kann helfen, Wassereinlagerungen und Bluthochdruck vorzubeugen. Fertiggerichte, salzige Snacks, Wurst und Käse sollten daher nur in moderaten Mengen verzehrt werden. Kräuter und Gewürze bieten geschmackvolle Alternativen.
Gesunde Fette
Gesunde Fette, insbesondere Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Raps- und Leinöl sowie Olivenöl, sollten aufgrund des veränderten Fettsäurestoffwechsels bevorzugt werden.
Stabilität statt Verzicht
Insgesamt gibt es keine strikt verbotenen Lebensmittel. Zuckerhaltige Speisen und Getränke wie Süßigkeiten oder Softdrinks sowie stark verarbeitete Weißmehlprodukte sind jedoch ungünstig, da sie schnelle Blutzuckerschwankungen verursachen und eine Gewichtszunahme begünstigen können. Eine moderate Kalorienreduktion von etwa 500 kcal pro Tag kann dem entgegenwirken. Alkohol und Grapefruit sollten aufgrund von Medikamenteninteraktionen möglichst nicht konsumiert werden.

Alltagstauglich essen während der Cortisonbehandlung
So könnte eine ausgewogene Mahlzeit während einer Cortisontherapie aussehen:
- ½ Gemüse
- ¼ Protein (Fisch, mageres Fleisch, Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte, Nüsse, Pseudogetreide)
- ¼ komplexer Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Haferflocken, Kleie, Pseudogetreide)
Zur Zubereitung eignen sich moderate Mengen pflanzlicher Fette sowie Kräuter und Gewürze. Entscheidend ist weniger die perfekte Ernährung als vielmehr eine konsequente, alltagstaugliche Umsetzung. Kleine Veränderungen – weniger Süßes, mehr Gemüse und eine bewusste Proteinzufuhr – können bereits einen spürbaren Unterschied machen.
Einfaches Ofengericht: Lachs mit mediterranem Gemüse und Kartoffeln
Zutaten (2 Portionen)
Gemüse (½ Teller)
- 1 Zucchini
- 1 rote Paprika
- 1 kleine Aubergine
- 1 rote Zwiebel
- 1 Handvoll Kirschtomaten
- 2 EL Olivenöl
- Thymian, Oregano oder Rosmarin
- Pfeffer, wenig Salz
Protein (¼ Teller)
- 2 Lachsfilets (je ca. 120–150 g)
- Zitronensaft
- Pfeffer
- Dill oder Petersilie
Komplexe Kohlenhydrate (¼ Teller)
- 300–400 g Kartoffeln
- Thymian, Oregano oder Rosmarin
- Pfeffer, wenig Salz
Zubereitung:
- Ofen vorheizen auf 200 °C (Umluft 180 °C).
- Schneiden Sie das Gemüse und die Kartoffeln in mundgerechte Stücke und geben Sie diese auf ein Backblech. Vermengen Sie das Gemüse anschließend mit Olivenöl, Kräutern und Pfeffer. Etwa 20–25 Minuten in den Ofen geben.
- Lachsfilets mit Zitronensaft, Pfeffer und Dill würzen und in den letzten 12–15 Minuten zum Gemüse in den Ofen geben.
- Alles auf Tellern anrichten.
Warum dieses Gericht gut bei Cortisontherapie passt:
- Proteinreich: unterstützt Muskelerhalt bei erhöhtem Proteinabbau durch Glukokortikoide
- Ballaststoffreich: stabilisiert den Blutzuckerspiegel und reduziert Heißhunger
- Omega-3-Fettsäuren: können entzündungshemmend wirken
- Kalium- und magnesiumreiches Gemüse: unterstützt den Mineralstoffhaushalt
- Moderate Salzmenge: kann Wassereinlagerungen vorbeugen
Fazit zur Ernährung bei Cortisontherapie
Cortison beziehungsweise Glukokortikoide wie Prednison sind hochwirksame Medikamente mit großem therapeutischem Nutzen. Nebenwirkungen hängen stark von Dosis und Dauer der Einnahme ab und betreffen verschiedene Stoffwechselprozesse. Eine gezielte Ernährung kann helfen, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren, Muskelabbau zu begrenzen und die Knochendichte zu schützen.
Statt strenger Verbote steht eine ausgewogene, gemüsebetonte, proteinangepasste, blutzuckerstabilisierende und salzbewusste Ernährung im Vordergrund. In enger Abstimmung mit dem/der behandelnden Ärzt:in oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft lässt sich die Therapie optimal begleiten – mit dem Ziel, Wirkung und Verträglichkeit bestmöglich in Balance zu halten.
Quellen:
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